„Ausgrenzung kann jeden treffen“

Gegen Intoleranz und Diskriminierung: Besondere Feierstunde zum Volkstrauertag in Plön

Eine Dialogpredigt zeigte auf, wie schnell die Gruppendynamik dazu führt, anders denkende oder auch nur anders aussehende Mitmenschen auszugrenzen.

Von Dirk Schneider, Kieler Nachrichten vom 20.11.2017

Plön. Die Plöner Gedenkveranstaltung zum 

Kieler Nachrichten vom 20.11.2017
Die Schüler der Gemeinschaftsschule Julia Acimovic und Jonas Titze (links) sowie Eileen Kalff und Leon Sonnemann erinnerten in ihrer Gedenkrede zum Volkstrauertag unter anderem an zwei deutsche Soldaten jüdischen Glaubens, die im Ersten Weltkrieg gefallen sind. © dis

Volkstrauertag fällt seit 2011 etwas aus dem Rahmen. Zusätzlich zur Kranzniederlegung nach Andacht und Traueransprache gestalten die Gemeinschaftsschule und das Gymnasium Schloss Plön, die Marineunteroffizierschule, die Militärseelsorge, die evangelisch-lutherische Kirchengemeinde und der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge gemeinsam mit der Stadt mit Unterstützung der Förde Sparkasse alljährlich eine ganz besondere Feierstunde. In diesem Jahr stand der Gedankenaustausch unter dem Motto Ausgrenzung und Versöhnung.

In einer einführenden Dialogpredigt zeigten der Pastoralreferent Michael Veldboer und Pfarrhelfer Hermann Kopf quasi als Engel und Teufel auf, wie schnell die Gruppendynamik dazu führt, anders denkende oder auch nur anders aussehende Mitmenschen auszugrenzen. Im scheinbaren Streitgespräch schaukelten sie sich hoch. „Ausgrenzung ist Gewalt“, lautete eine Erkenntnis. Wer versuche, sich in solchen Situationen aus seiner gesellschaftlichen Mitverantwortung herauszuhalten, mache sich der Mitgestaltung durch Unterlassung schuldig, eine andere.

Genau dies sei immer wieder und millionenfach auch und gerade mit jüdischen Mitbürgern geschehen, nahmen die Schüler der Gemeinschaftsschule Julia Acimovic, Eileen Kalff, Leon Sonnemann und Jonas Titze den Denkanstoß auf. Aus diesem Grund erinnerte das Quartett in einem Bildervortrag an zwei deutsche Soldaten jüdischen Glaubens, die im Ersten Weltkrieg gefallen sind. Unmittelbar nach der Generalmobilmachung im August 1914 habe sich der damals 18-jährige Otto Rothmann freiwillig zum Kriegsdienst gemeldet. Schon Rothmanns Großvater Oscar hatte als Sanitätsarzt im Preußischen Heer an den Kriegen von 1864, 1866 und 1870/71 teilgenommen und auch Vater Max diente als Freiwilliger beim Militär. Bereits im Oktober 1914 starb Otto den „Heldentod für das Vaterland“, nachdem er „den Ruf seines Kaisers zu den Fahnen, wie einst sein Grossvater“ gefolgt war, heiße es in der Todesanzeige, erklärten die Schüler.

Nicht weniger tragisch, aber kaum erforscht sei das kurze Leben des gleichaltrigen Siegfried Schlomer, der 1916 in der Hölle von Verdun starb. Diese Schicksale, von denen es über 12 000 gebe, würden verdeutlichen, dass Ausgrenzung immer jeden treffen könne, wie der Fortgang der deutschen Geschichte auf schlimmste Weise beweise. Entsprechend wichtig sei es, die Versöhnung zu suchen, betonte Fregattenkapitän Stefan Klatt, der seit 1994 ein entsprechendes Projekt der Bundeswehr mit dem American Jewish Committee in New York – „der größten jüdischen Gemeinde außerhalb Israels“ – begleitet. „Es geht dabei um Zusammenarbeit mit Gruppen unterschiedlicher Herkunft und Anschauungen, um gegen Intoleranz und Diskriminierung vorzugehen“, so Klatt. So habe die Bundeswehr in der Balkankrise Hilfsgüter und Spenden der jüdischen Organisation in das Kriegsgebiet gebracht, um muslimischen Flüchtlingen zu helfen. „Ein Zeichen der Hoffnung“, so Klatt.

Weitere Symbole des Gedenkens: Ein Sextett des Symphonischen Orchsters Plön intonierte mit einem gemischten Chor die Europahymne Ode an die Freude, bevor die Honoratioren des Veranstalterkreises gemeinsam mit einigen Konfirmanden die Kränze am Mahnmal niederlegten.

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