Mit dem Chip im Gehirn

Plöner Gemeinschaftsschüler befassen sich im Stück „Headchip“ mit der gruseligen Vision eines totalen Überwachungsstaates

Orly RöhlkPlön/Malente

Wie wäre es, wenn Menschen zwangsweise gechippt und zu ferngesteuerten Robotern würden? Diese total gruselige Vision eines fast totalen Überwachungsstaates entwickelten Schüler der Jahrgänge sieben bis zehn im Wahlpflichtunterricht (WPU) „Gestalten“ der Plöner Gemeinschaftsschule am Schiffsthal.

Der achte Jahrgang mit Lehrer Carol Kedzierski sorgte für die Musik zwischen den Szenen.

Kürzlich brachten sie ihr Stück „Headchip“ in zwei Aufführungen vor insgesamt rund 500 Schülern aus Plön und Malente auf die Bühne der Aula. „Ich habe nur das Stichwort „Zukunft“ vorgegeben“, beschrieb Lehrerin Antje Kemmler-Reder die Intention des selbständigen Erarbeitens. Zwölf Neuntklässler waren die Protagonisten, unterstützt in Massenszenen und Bühnenbau von 20 Siebtklässlern WPU. Der achte Jahrgang WPU mit Lehrer Carol Kedzierski sorgte für die Musik zwischen den Szenen mit Songs wie: „Pokerface“ (Lady Gaga), „Zombie“ (Cranberries) und „Sie ist ein Roboter (eig. Model) und sie sieht gut aus“ (Kraftwerk). Einige Szenen hatten einen festen Text, zum Beispiel bei der Frage: „Wer manipuliert uns?“ Andere wurden improvisiert.

Der Professor manipuliert die Menschen, die wie Roboter agieren. Foto: Orly Röhlk

Die Entwicklung vollzieht sich unmerklich: Anfangs spielen die Jugendlichen intensiv mit ihren Handys, manche fühlen sich schon jetzt überwacht: „Warum ist da ein Foto von mir auf Instagram, woher kommt das Video auf Youtube?“, fragt ein Mädchen. Als ein „Professor“ die Idee entwickelt, Menschen einen Chip ins Gehirn zu implantieren, weil sie dann keine Handys mehr brauchen und besser manipulierbar seien, finden einige es cool, andere lehnen es ab.

„Ich habe nur das Stichwort „Zukunft“ vorgegeben.“ Antje Kemmler-Reder, WPU-Lehrerin in Plön

„Alle Freundinnen haben es“, sagt eine Tochter zu ihren Eltern. Der Vater ist Polizist und entdeckt die Vorteile des Chippens, da er so die Tochter überwachen könne. Nach und nach setzen sich immer mehr der Schauspieler weiße Masken auf, Symbol für die „Entindividualisierung“ der Massen. Dazu eine Stimme aus dem Off: „Ladies and gentlemen: Welcome to the Internet“.

Als bereits 80 Prozent gechipt und ferngesteuert sind, versuchen drei noch nicht geschipte Mädchen herauszufinden, wo der Server steht, der die Kontrolle übernommen hat. Ein Kampf entbrennt zwischen Gegnern und Befürwortern, verbal und handgreiflich. „Ihr seid voll die Marionetten, Chips sind echt creepy (gruselig)“, sagen die einen. „Das ist doch scheißegal, Hauptsache cool, Du bist doch eh‘ nur so eine Verschwörungstheoretikerin“, kommt es von der anderen Seite.

Gegner und Befürworter des Chippens formieren sich, es kommt zum Kampf.

Dann soll das Publikum per Applaus und Lautstärke entscheiden: Sollen alle Menschen gechipt werden, oder nicht. Das Abstimmungsergebnis fällt knapp aus, weshalb der Schluss zweimal gespielt wird: Einmal siegen die einen, einmal die anderen. Der Server wird gefunden und das Programm gelöscht. Am Ende singt die Band „Celebration“ (Kool & The Gang). „So viel Theater in so kurzer Zeit, die Story ist interessant, das habe ich so noch nicht gesehen“, meinte Bjarne aus der 8a der Malenter Schule an den Auewiesen auf Nachfrage und lobt die Soundeffekte. Chippen lassen würde er sich nicht, da benutze er doch lieber sein Handy. Witzig und unterhaltsam fand Genta aus der 7a derselben Malenter Schule das Stück. Auch sie würde sich nicht chippen lassen. „Es wird einfach immer mehr. Es ist gut, dass das Thema angesprochen wurde, dass man einen Chip nicht braucht, weil alle ein Handy haben.“ Doch schließt Genta nicht aus, dass es in fünf Jahren Roboter geben könnte: „Davor habe ich ein bisschen Angst. Irgendwann regieren Roboter die Welt.“

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